Kann man sagen, dass das ISSEP und das Collegium Intermarium zwei Inseln der intellektuellen Freiheit in Gesellschaften sind, die in Richtung Totalitarismus driften?
Marion Maréchal: Ja, das kann man sagen, und das erklärte Ziel unserer beiden Schulen ist es, eine Antwort und eine Alternative zu einem Phänomen zu sein, das sich leider immer mehr in der Universitätswelt durchsetzt, sei es in Polen oder in Frankreich. Dies äußert sich zum einen in einer intellektuellen Homogenität, genauer gesagt in einem intellektuellen Konformismus, und zum anderen in einem Sektierertum, das manchmal an intellektuellen Terrorismus grenzt. In der Tat vergeht in Frankreich kaum eine Woche ohne eine Kontroverse über die Bedrohung, Ausgrenzung oder Ächtung von Lehrkräften, über die Störung oder gar Absage von Konferenzen oder über Studentenverbände, die Druck auf die Universitäten ausüben, um eine oft sehr radikale und militante Agenda durchzusetzen. Wir erleben, dass viele Institutionen – glücklicherweise nicht alle – zu eifrigen Vermittlern verschiedener Ideologien werden. Ich denke dabei insbesondere an LGBT, Neofeminismus, Cancel Culture, Wokismus und – in Frankreich – Immigrationismus. Manchmal, wie an der Sciences Po und der Sorbonne, werden sogar Studiengänge eingerichtet, die sich diesen Ideologien widmen, insbesondere im Bereich der Gender Studien.
Es gibt eine regelrechte Geiselnahme von Schülern, die sich meist nicht einmal trauen, einen Widerspruch zu äußern, weil sie im besten Fall kritisiert und im schlimmsten Fall bedroht werden könnten. So wurde beispielsweise an der Universität Lumières Lyon 2 ein Student der Politikwissenschaften, der in den sozialen Netzwerken die politische Korrektheit und die völlige Abwesenheit von Widerspruch und Meinungsverschiedenheiten in seinen Kursen angeprangert hatte, beleidigt und körperlich bedroht, ohne dass die Leitung jemals Stellung bezogen oder sich auf seine Seite gestellt hätte.

















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