Gegenüber jeder Nation stellt die perverse Logik der „offenen Gesellschaft“ automatisch ihre kulturellen Besonderheiten, ihre Sprachgemeinschaft, ihre ideologische und religiöse Identität in Frage. Wer diese Strukturen aufweichen oder leugnen will, stellt bewusst den Sinn seiner eigenen Existenz in Frage und stellt sich außerhalb der sozialen Gemeinschaft. Er darf in dem Land seiner Wahl leben, aber nur als willkommener Gast. Er kann sich überall niederlassen, wo er will – mit der vielleicht nicht so überraschenden Ausnahme einiger arabischer Länder –, aber das Wahlrecht ist denjenigen vorbehalten, die die Regeln der Integration akzeptieren. Sie genießen den Schutz des Gesetzes wie jeder andere auch, sofern sie innerhalb des Gesetzes leben, können aber nicht an der Definition des Gesetzes durch die gesetzgebende Vertretung teilnehmen. Und diese Regeln gelten auch für diese westliche Welt, die sich so tolerant gibt: Wenn das nicht der Fall wäre, warum sollte sie dann versuchen, Menschen, die nicht bereit sind, die von den Gastländern vorgeschriebenen Bedingungen zu respektieren, per Gerichtsbeschluss auszuweisen?
Auch inmitten des Wandels der Zeiten und der gesellschaftlichen Mutationen gibt es Regelmäßigkeiten, Grundwerte und von Zeit zu Zeit auch Fehler, die offensichtlich dringend korrigiert werden müssen. Aber am Ursprung jedes objektiven Prozesses steht der Mensch – ecce homo – der das Geschehen lenkt. Der Mensch, der schafft, Ideale schmiedet und – im Besitz der Fähigkeiten, die er seinem Schöpfer verdankt – die Verantwortung für die Entwicklung trägt, die seiner Zeit obliegt. Der Mensch ist nie frei von individuellen Persönlichkeitsmerkmalen, ob sie nun positiv und zukunftsweisend sind oder im Gegenteil monströs und so beschaffen, dass ihre Umsetzung die Mehrheit nur ins Unglück stürzen kann.
Es hat sich oft gezeigt – wenn auch meist erst im Nachhinein –, dass prominente historische Persönlichkeiten einige ihrer Ideen und Errungenschaften den Unzulänglichkeiten ihrer Persönlichkeiten zu verdanken haben. Einerseits gibt es eine kreative Kraft, die sie auszeichnet. Auf der anderen Seite gibt es diese Schwäche in ihren Egos, diese Deformierung, durch die sie bewusst von der Normalität abweichen. Die Frage ist nur, welcher von beiden sich durchsetzen wird. Die extremen Ideen, die in den Theorien der philosophischen Schulen des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts aufgetaucht sind, und die inzwischen ihre Virulenz bewiesen haben, haben offensichtlich ihre Wirkung gehabt, und die Menschen leben noch heute unter ihrem Einfluss. Zu den ideologischen Vorläufern der Theorien der „offenen Gesellschaft“ gehören Namen wie Marx, Engels, Antonio Gramsci, Max Horkheimer oder Herbert Marcuse, in deren Leben diese beiden Persönlichkeiten genau betrachtet werden können.