„Ich teile dem Fraktionsvorsitzenden mit, dass der Fidesz die Fraktion verlassen muss, wenn die bei der Sitzung der Fraktionsführung und der Leiter der nationalen Delegationen am 26. Februar beschlossenen Bestimmungen zur Abstimmung gestellt werden und die Abstimmung positiv ausfällt.“ Ministerpräsident Viktor Orbán, Vorsitzender des Fidesz, hat sich am Sonntag in einem Brief an den Vorsitzenden der EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, gewandt. Wie wir kürzlich schrieben, verbirgt die EVP-Fraktion im Europaparlament kaum ihre Bereitschaft, die Verfahrensordnung der Fraktion zu reformieren, um endlich die Suspendierung der Fidesz-Delegation zu erleichtern.
Nach der ursprünglichen Fassung des Änderungsantrags wäre es künftig möglich, ganze Delegationen zu suspendieren und auszuschließen (ein Verfahren, das bisher nur für einzelne Abgeordnete möglich war – NdR.), und zwar mit einfacher Mehrheit der stimmberechtigten EVP-Abgeordneten. Außerdem würde eine automatische Verbindung zwischen der Mitgliedschaft in der europäischen Partei und der Mitgliedschaft in der parlamentarischen Fraktion hergestellt: Jeder Beschluss zur Suspendierung oder zum Ausschluss eines Mitglieds durch Partei oder Fraktion würde dann auch sowohl für Partei und Fraktion gelten.
Dieser letzte Punkt ist offensichtlich für den Fidesz maßgeschneidert, dessen EVP-Mitgliedschaft zwar seit 2019 ausgesetzt ist, aber trotzdem im Wesentlichen seine Arbeit in vollem Genuss seiner Rechte innerhalb der EVP-Fraktion fortsetzt.
Eine gegen den Fidesz geschmiedete Regel
Unseren Quellen zufolge wurde auf der EVP-Sitzung am vergangenen Freitag – auf die sich der ungarische Ministerpräsident in seinem Brief bezieht – klargestellt, dass es weder für die Annahme der Regel über die Suspendierung und den Ausschluss ganzer Delegationen noch für die Annahme der Regel über die einfache Mehrheit eine Zweidrittelmehrheit gibt, und dass die EVP ohne eine solche Zweidrittelmehrheit diese Regeln im Prinzip nicht in ihrer Satzung verankern kann. Die Fraktion plant jedoch, am Mittwoch ein drittes Element – die Regel der Symmetrie zwischen europäischer Partei und Fraktion – zur Abstimmung zu stellen, so dass eine Abstimmung über die Suspendierung der ungarischen Regierungspartei fast unvermeidlich wird.